Die Fasnet ist nicht nur Gaudi, sondern auch eine politische und ernste Angelegenheit!

Kenners Montagsrunde im Live-Studio Storms mit Holger Böhm von der Narrenzunft Kloster Deifel Kirchheim und Uschi Krieger vom Narrenbund Neuhausen

Mittwoch, 17. Februar 2021

Jeden Montagabend unterhält sich der Kirchheimer Landtagsabgeordnete Andreas Kenner von 19 bis 20 Uhr mit Persönlichkeiten aus Kultur, Wirtschaft, Sport, Politik und Gesellschaft. Bei der 6. Montagsrunde ging es – passend zum Rosenmontag – um die Fasnet. Gäste waren Holger Böhm, Zunftmeister der Narrenzunft Kloster Deifel Kirchheim, und Uschi Krieger, 1. Vizepräsident vom Narrenbund Neuhausen.

Fasnet ist nicht nur Gaudi, sondern kann mitunter auch eine sehr ernste Angelegenheit sein – das erfuhren die Zuhörer bei Kenners Montagsrunde zum Rosenmontag. „Wir pflegen das Brauchtum, wobei wir bei den Kloster Deifeln auch eine einheitliche Häsordnung haben. Bei uns ist vieles geregelt, und wir haben einen Plan für das ganze Jahr“, stellte Holger Böhm klar. Auch Uschi Krieger betonte den Ernst hinter der spaßigen Angelegenheit: „In meiner Position repräsentiere ich 15 Zünfte und muss auch Vorbild sein“ – da sei es nicht möglich, ungeniert über die Stränge zu schlagen. Während die Fasnet in Neuhausen eine lange Tradition hat, sind die Kloster Deifel erst seit 1996 in Kirchheim ansässig. Seit 2013 ist Holger Böhm ihr Zunftmeister. „Wir haben die Narrentaufe am 6. Januar und den Rathaussturm als regelmäßig stattfindende Veranstaltungen. Vor vier Jahren – zu unserem 22-jährigen Jubiläum – haben wir in Kirchheim den ersten Umzug veranstaltet, der mit 20.000 Besuchern gleich ein gigantischer Erfolg war. Das Ganze haben wir dann 2020 wiederholt.“ Die Koster Deifel zählen derzeit 100 Narren aller Altersgruppen: „Bei uns geht es sehr familiär zu“, betonte Holger Böhm.

Für ihn und für Uschi Krieger in Neuhausen ist die Fasnet eine ganzjährige Angelegenheit: „Wir haben das ganze Jahr über unsere Sitzungen und Vorbereitungen für die Fasnet. Wie jeder Verein, müssen auch wir Regularien einhalten. Da steckt viel Zeit und Herzblut drin.“ Sie selbst tritt in der Fasnet seit vielen Jahren als alte Frau in der Bütt auf. „Was macht eine gute Büttenrede aus?“, wollte Andreas Kenner wissen. „Missstände klar anzusprechen und auf den Punkt zu bringen, ohne dabei jemand zu beleidigen“, meinte Uschi Krieger. Für Holger Böhm ist wichtig, dass lokalpolitische Geschehen überspitzt und mit einem Augenzwinkern aufzubereiten: „Dafür muss man aufmerksam sein, braucht offene Augen und Ohren.“

Andreas Kenner verwies auf die lange Historie der Fasnet: „Mit ihren Verkleidungen wollten die Menschen früher den Winter austreiben. Die Wurzeln haben also auch etwas Heidnisches.“ Das Schöne an der Fasnet sei, dass sie für alle Altersgruppen Angebote bereithalte. Zudem betonte der Landtagsabgeordnete die politische Dimension der Fasnet: „In Köln, Düsseldorf und Mainz – überall geht es sehr politisch zu.“ Während diese bundesweit bekannten „Faschingshochburgen“ auch die „große Politik“ ins Auge nehmen, beschäftigen sich Neuhausen und Kirchheim eher mit der lokalen Politik. Für Andreas Kenner ist es etwas Urmenschliches, sich zu verkleiden und eine Zeit lang in eine ganz andere Rolle zu schlüpfen: „Genau das mache auch ich, wenn ich mich als Nachtwächter verkleide.“